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Tilmann Zahn, Papierobjekte
Ausstellung gemeinsam Erika Raz
4. Februar bis 8. März 2014

 

 

 

 

 

 

 

Der künstlerische Autodidakt Tilmann Zahn hat schon sehr früh – als Kind in Düsseldorf auf
Ausstellungsbesuchen mit den Eltern – ein Interesse für die Haptik der poveren Materialien
wie Beuys sie verwendete und einen Sog in Farbflächen hinein verspürt. Wie bringt ein
Maler, Max Ernst beispielsweise, malerisch eine bestimmte Wirkung hin? Fragt er sich immer
wieder.
Sein persönlicher Weg zu den sinnlichen schmutzig-dunkel patinierten mit Schmieröl und
Graphit bearbeiteten Farbflächen führte ihn zunächst zu Materialbildern mit dicken, pastosen
Farbmassen und darin eingelassenen Fundgegenständen. Ab 2000 fing er an, einfache Formen
von erfundenen Werkzeugen zweidimensional aus und auf Papier zu gestalten. Die Form
selber wurde Bild. In einem nächsten Schritt begann er die Formen an wenigen Stellen, wo es
das Motiv erforderte, zu perforieren. Diesen Perforationsprozess, reine Handarbeit, die immer
auch etwas Meditatives an sich hat, steigerte er immer mehr, bis aus Gittern Netze wurden
und seine ausgerissenen Motive sich heute fragil und filigran wie Zeichnungen von der Wand
abheben. Sein Augenmerk verlagerte sich entsprechend auf ausgewählte Fotomotive von
seinen vielen Reisen, die seinem Bedürfnis nach filigranen, skelettierten Formen
entgegenkamen. Gerüste im weitesten Sinn boten sich an: Von Antennenanlagen (Radar oder
Dublin Piece) über Billboards bis zu Umspannwerken (Detroit) wählt er Vorlagen, die sein
technisch-konstruktivistisches Interesse widerspiegeln. Und denen er mehr und mehr an die
Substanz geht: Alles, was Hintergrund ist, kommt weg, es bleibt ein wenig ‚Bodenhaftung’
unten.
Langsam scheint er sich dabei auch vom gesehenen Gegenstand weg zu bewegen. In seinen
sogenannten Hybridgerüsten werden diverse Vorlagen kombiniert und sie tendieren stärker
zur Abstraktion.
Durch die stark von der Wand abgerückte Hängung wirken die ‚Gerüste und Gerippe’ nicht
nur plastisch-dreidimensional, sondern werden auch in ihrer Materialität verändert. Sie sind
spitzenartiges Papierobjekt und Konstruktion in einem.

Auszug aus der Eröffnungseinführung von Eva Bächtold, Kunsthistorikerin