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Erika Raz, Fotografie
Ausstellung gemeinsam mit Tilmann Zahn
4. Februar bis 8. März 2014

 

 

 

 

 

 

 

Erika Raz beschäftigt sich mit (bildparallelen) Oberflächen und macht Nahaufnahmen davon.
Für sie steht alles bereit, sie muss es nur sehen und packen: So spontan wie sie sich von Klang
und Rhythmus mitreissen lässt (Tanzeinlage auf dem Marktplatz von Leipzig), so zwanglos
scheint sie auch ihre Bilder zu finden und fügt sie zu neuen Ensembles. Keine
Bilderfindungen, sondern Bildfindungen. Sie liest sie quasi von der Strasse auf. Bevorzugte
Fundorte sind vernachlässigte, vom Zahn der Zeit zernagte, vergessene Ecken und Winkel,
Wände mit Plakatresten, rostende Abfalltonnen, abblätternde Verputze, mürbes Holz.
Oberflächen, auf denen Menschen, die Witterung und die Zeit ihre Spuren hinterlassen haben.
Das visuell geübte Auge der Künstlerin muss die auf den unterschiedlichen Bildträgern und
schlummernden Bilder nur noch wecken. Aus dem Kontext lösen und in einen neuen Kontext
(hier der Galerie) transferieren.
So entstehen Serien von gegenstandlosen Bildern, die mit ihren Titeln (Erlenmatt, St. Johann, Dreirosenbrücke, Schönthal, Aarau und Leipzig) an die Fundorte erinnern, wo die Künstlerin unterwegs
war, teils gezielt zu einem Abbruchhaus, teils zufällig wie im ‚vergammelten’ Schaufenster in Leipzig,
wo Fragmente von Reiseplakaten in knalligen Farben die Aufmerksamkeit der Künstlerin weckten.
Dabei lenkt sie ihren Blick bevorzugt auf das Detail, den Ausschnitt, nahsichtig, wie unter der Lupe, wie fotografische Befunde des Denkmalpflegers vor der Restaurierung.
Vierzig Jahre intensiver Beschäftigung mit Kunst haben ihre Spuren hinterlassen: Alles gerinnt
ihr zur Kunst. Die verschiedenen informellen Strömungen des 20. Jahrhunderts scheinen sich wie
in einem grossen, geöffneten Kunstbuch in den verwitterten Oberflächen unserer gebauten Umwelt abgelagert zu haben. Wo Leonardo da Vinci in der Renaissance auf gefleckten noch Landschaften und Menschen zu entdecken glaubte, sind es bei Erika Raz die abstrakte Malereien. Wir erkennen nur,
was wir schon kennen. Die Wahrnehmung unserer Umwelt verändert sich durch die Beschäftigung
mit Kunst. Kunstbetrachtung öffnet uns die Augen für die Entdeckung des Kunstvollen im Alltag.
„Wenn der aufmerksame Blick die Oberflächlichkeit des Tagesgeschehens verlässt und die
Oberfläche der uns umgebenden Welt wirklich ergreift, kann Staunenswertes entdeckt werden.“
(Edmondo Savoldelli)
Und was dabei besonders berührt, die Spuren der Zeit zaubern die Natur in die unbelebten Dinge zurück:
Und plötzlich blühen Blumen auf dem Abfallcontainer.

Auszug aus der Eröffnungseinführung von Eva Bächtold, Kunsthistorikerin