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Nesa Gschwend  Installation - Objekt - Zeichnung
Ausstellung 'void and profusion' Japan - Indien - China, gemeinsam mit Gabriella Disler und Jill Wäber
7. Mai bis 8. Juni 2013
www.nesagschwend.ch
  • Biografie Nesa Gschwend | Ausstellungen

 

 
 

 

 

 

 

'void and profusion'
Auszug aus der Eröffnungseinführung von Michael Babics, Kunsthistoriker Basel

Steckt nicht in vielen von uns dieses Bedürfnis, in die Ferne zu reisen? Weg von hier,
in fremde Welten, um uns mit neuen Eindrücken einzudecken und unser eigenes
Dasein zu reflektieren? Auch Jill Wäber, Gabriella Disler und Nesa Gschwend sind
aufgebrochen, um ihren Horizont zu erweitern und ihre Bildsprache durch die neuen
Eindrücke weiterzuentwickeln. Nicht zum ersten Mal sind sie Richtung Osten
gezogen, von der Neugier getrieben, auf der Suche nach dem Fremden und nach
sich selbst. In China, Japan und Indien haben sie neue Räume entdeckt,
Bekanntschaften geschlossen und ihre Kunst genährt.

Beobachtet wird unser Mäandrieren von Nesa Gschwends aus Textil genähten
Köpfen. Ihre rote Farbe korrespondiert mit Jill Wäbers rot gefärbtem Labyrinth und
gewinnt unsere Aufmerksamkeit. Netze legen sich über die nicht klar definierten
Gesichtszüge. Weder männlich noch weiblich lassen sie sich nicht festlegen und
erhalten die Offenheit für immer wieder neue Projektionen unserer Gedanken. Über
die Begegnung von Gesichtern laufen unsere Kontakte auch in fernen Ländern.
Gerade wenn die verbale Kommunikation nicht mehr möglich ist, sind es die visuell
fassbaren Gesichtszüge, die uns Geschichten erzählen.

Es sind Begegnungen, die faszinieren. Auf einem Bildschirm sehen wir eine
obdachlose, von Nesa gefilmte Frau in der indischen Stadt Varanasi, welche mit
ausdrucksstarken Augen traditionelle, mit Bollywood-Hits kombinierte Lieder singt. In
ihren Augen spiegelt sich das viele Leid, das sie in ihrem Leben ertragen musste.
Zwar konnten die beiden Frauen verbal nicht kommunizieren, doch über die
Gesichter wurden neue Beziehungsnetze geflochten und eine Freundschaft
entwickelt.

Wie die Künstlerinnen in fernen Ländern begeben auch wir uns auf Spurensuche.
Geleitet vom roten Faden, welcher uns den Weg weist. Wir sind weiter neugierig
Neues zu entdecken und auf Unbekanntes zu treffen.

Die rote Spur führt uns weiter zu einer schneckenartig auf den Boden gelegten
Textilrolle. Auf ihr sind von Nesa Gschwend 30 ausgewählte Begriffe aufgemalt
worden, welche die Menschenrechte thematisieren. Diese Rolle ist Resultat einer
langen und intensiven Beschäftigung mit den Menschenrechten und der Frage,
welche Rechte noch heute aktuell sind.
Nesa hat während ihren zahlreichen Aufenthalten in Indien Kontakt zur indischen
Menschenrechtsorganisation Ekta Parishad hergestellt, die sich unter anderem für
die Rechte der Adevasi, der Ureinwohner von Indien, einsetzt. Dieser Kontakt führte
Nesa nach Madaritola, ein von Adevasi bewohntes Dorf in Zentralindien. Von der
Kamera eingefangen zeigt sich uns ein sehr persönliches Bild vom Lebensalltag
einer fremden Welt.
Madaritola ist ein Dorf, das aus einfachen zeltartigen Wohnräumen und 700
Einwohnern besteht, die sich neben einer Bahnlinie niedergelassen haben. Es sind
Menschen, die von ihren ursprünglichen Wohnorten verdrängt wurden und nun eine
Existenz am Rande der Gesellschaft führen. Die Bewohner sind mit einem auf das
absolute Minimum reduzierten Leben konfrontiert. Sie besitzen keine Rechte und
haben keinen Anspruch auf Land. Sie haben keinen direkten Zugang zu fliessendem
Wasser und keinen Strom. Die einzige Lebensgrundlage liefert ihnen das Sammeln
und Bündeln von Holzzweigen, die sie nach einem stundenlangen Fussmarsch für
wenig Geld verkaufen. Wir gewinnen einen Einblick in den Alltag des Dorfes aus
nächster Nähe: Farbige, teilweise aus Lumpen zusammengeschneiderte Kleider,
eine einfache Feuerstelle als Küche, Männer, die selbstbewusst vor der Kamera mit
der Erwartung eines bevorstehenden Gruppenfotos posieren, und ein Kind, welchem
eine Brandwunde am Finger verarztet wird. Es ist ein Blick auf Menschen, die mit der
ganzen Härte des Lebens konfrontiert werden und doch Hoffnung und Stolz nicht
verloren haben.