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Jill Wäber Malerei - Installation
Ausstellung 'void and profusion' Japan - Indien - China, gemeinsam mit Gabriella Disler und Nesa Gschwend
7. Mai bis 8. Juni 2013
Biografische Angaben auf sokultur.ch

Installation, Labyrinth/Mutation Siegel 2009/10/11, Wachscrayon, Acrylfarbe auf Wenzhou-Papier, ca. 70x160 cm

 

 

Jill Wäber in der Chelsea Galerie Laufen BL

 

 

 

 
 
 

'void and profusion'
Auszug aus der Eröffnungseinführung von Michael Babics, Kunsthistoriker Basel

Steckt nicht in vielen von uns dieses Bedürfnis, in die Ferne zu reisen? Weg von hier,
in fremde Welten, um uns mit neuen Eindrücken einzudecken und unser eigenes
Dasein zu reflektieren? Auch Jill Wäber, Gabriella Disler und Nesa Gschwend sind
aufgebrochen, um ihren Horizont zu erweitern und ihre Bildsprache durch die neuen
Eindrücke weiterzuentwickeln. Nicht zum ersten Mal sind sie Richtung Osten
gezogen, von der Neugier getrieben, auf der Suche nach dem Fremden und nach
sich selbst. In China, Japan und Indien haben sie neue Räume entdeckt,
Bekanntschaften geschlossen und ihre Kunst genährt.

Jill Wäber hat mehrere Monate in China verbracht. Während zweier Aufenthalte hat
sie sich in Jiuquan, einer Stadt an der Grenze zur Inneren Mongolei, ihrer
künstlerischen Arbeit gewidmet. Auf langen Spaziergängen durch die Strassen hat
sie viele Kilometer zu Fuss zurückgelegt und den Alltag dieser chinesischen
Provinzstadt beobachtet. Besonders angetan haben es ihr auf ihren Streifzügen die
in die Strassen eingelassenen metallenen Dohlendeckel. Wie Siegel verschliessen
diese den Boden und halten das von naheliegenden Bergketten in die Stadt
strömende Wasser in Grenzen. Jill hat sich, mit grossen Papierbögen und
Wachsstiften ausgestattet, auf die Suche nach den schönsten Rundbildern gemacht,
welche die Strassenlandschaft zieren, um diese siegelartigen Kreise mittels
Frottagetechnik aufs Papier zu übertragen. Dabei kam es zu spannenden
Begegnungen mit Passanten, die sich für diese in den Strassen entstehende Kunst
interessierten. Auch ein Strassenpolizist liess sich von Jills Schaffen begeistern,
wobei er vor lauter Kunstfaszination das Dirigieren des Verkehrs vernachlässigte.
Hier in der Ausstellung hängen diese Papierbahnen nun von der Decke und bilden
einen begehbaren, labyrinthartigen Raum. Über die Kreidekreise hat Jill zusätzliche
kalligraphieähnliche Farbgesten gelegt, welche der sonst zurückhaltenden
Bildsprache eine zusätzliche Prägnanz verleihen. Sobald man das Papierhaus betritt,
verliert man sich zwischen den rot akzentuierten Wandbahnen. Gedankenverloren
kann man in die verschlungenen Gänge eintauchen, bis der Weg unerwartet abbricht
und der Rückwärtsgang eingeschlagen werden muss. Man bewundert weiter die
filigranen Papierwände und wird erst wieder bei der bewussten Suche nach dem
Ausgang in die Realität zurückgeworfen.
Weitere Arbeiten von Jills Chinaaufenthalt sind im nächsten Raum zu sehen.
Aus Tee gemalte Inseln auf weissem Papier. Jeweils am Abend hat sich Jill in ihre
kleine Wohnung zurückgezogen. Wegen nicht aktivierter Heizung warm eingepackt,
musste sie dem kalten Wind und dem Wüstensand, welche durch die Ritzen der
dünnen Wände drangen, ihre Aktivität entgegenhalten. Unter diesen extremen
Bedingungen entstanden zahlreiche Zeichnungen, welche die Wechselwirkung von
Spannung und Entspannung widerspiegeln. Ein Wechsel der Emotionen, der auch
jeder Aufenthalt in fremder Umgebung mit sich bringt.