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Gabriella Disler
Ausstellung 'void and profusion' Japan - Indien - China, gemeinsam mit Nesa Gschwend und Jill Wäber
7. Mai bis 8. Juni 2013
www.gabrielladisler.ch


  Gabriella Disler in der Chelsea-Galerie CH Laufen
  'disappearance memories l' aoyama kitamachi, fine art print 2012
 

'notes of a journey' 2 Fotos der Serie, fine art print 2012  Gabriella Disler in der Chelsea-Galerie CH Laufen

   
    'study 1' Installation, Holz Papier Glas 2013

 

'void and profusion'
Auszug aus der Eröffnungseinführung von Michael Babics, Kunsthistoriker Basel

Steckt nicht in vielen von uns dieses Bedürfnis, in die Ferne zu reisen? Weg von hier,
in fremde Welten, um uns mit neuen Eindrücken einzudecken und unser eigenes
Dasein zu reflektieren? Auch Jill Wäber, Gabriella Disler und Nesa Gschwend sind
aufgebrochen, um ihren Horizont zu erweitern und ihre Bildsprache durch die neuen
Eindrücke weiterzuentwickeln. Nicht zum ersten Mal sind sie Richtung Osten
gezogen, von der Neugier getrieben, auf der Suche nach dem Fremden und nach
sich selbst. In China, Japan und Indien haben sie neue Räume entdeckt,
Bekanntschaften geschlossen und ihre Kunst genährt.

Gabriella Disler liess sich während eines mehrmonatigen Japan-Aufenthaltes in
Tokyo von Neuem und Fremden inspirieren. Auf langen Spaziergängen durch die
dichtbevölkerten Strassen von Tokyo hat sie die Stadt erkundet. Ein Interesse,
welches sie dabei verfolgte, war die Suche nach Leere. Nach leeren, ruhigen
Räumen, welche die Lebendigkeit dieser Weltstadt kontrastieren. Sie bewegte sich
im Zentrum von Tokyo, wo der Quadratmeterpreis zu den teuersten weltweit gehört,
und doch stiess sie unerwartet auf verlassene Räume. In einer in den 1930er-Jahren
gebauten Wohnsiedlung, die sich ganz in der Nähe der berühmtesten
Einkaufsstrasse Japans, der Omotesando, befindet, sind noch unbewohnte Räume
anzutreffen, die vor einiger Zeit von ihren Bewohnern verlassen wurden und nun
langsam dem Zerfall ausgesetzt sind. Nur noch die Hälfte der Siedlung ist bewohnt.
Obwohl bereits ein Neubauprojekt in Planung ist, dürfen die Behörden dem Gesetz
nach den verbliebenen Einwohnern nicht kündigen und müssen warten, bis diese
ausgezogen sind. Diese Situation führt zu einer teils bewohnten, teils leeren
Siedlung, deren Poesie der Leere fasziniert. Leider war keine Bewilligung zu kriegen,
um die verlassenen Wohnungen von innen zu fotografieren. Doch liess sich Gabriella
nicht entmutigen und machte sich auf, um das Gebäude vom Treppenhaus aus zu
erkunden und nach möglichen Einblicken zu suchen. Leicht angespannt, immer mit
der Erwartung von einem der wenigen Bewohner überrascht und mit Fragen nach
dem Tun konfrontiert zu werden, bewegte sich Gabriella durch die von abgeblätterter
Farbe geprägten Gänge. Gestossen ist sie dabei auf kleine Türfensterchen, die einen
intimen Einblick in die leeren Wohnungen gewährten.

Und so sind es nun diese Einsichten, von der Eingangstür aus in die
Wohnungen fotografiert, die uns die Stimmung dieses Ortes vermitteln. Wir sehen
auf das Wesentliche reduzierte Räume. Keine Menschen, keine Möbel, keine
Zeichen von Aktivität. Von den Spuren des Alltags befreite Zimmer. Leichte
Stellwände und Schiebetüren werden von feinsten Holzbalken flankiert. Geometrisch
ausgewogen rhythmisieren sich vertikale und horizontale Akzente. Die Böden sind
mit Tatami Matten gegliedert, die Kästen in die Wände eingelassen. Wie aus Papier
gebaut, wirken die modellähnlichen Räume. Zerbrechlich und in vermeintlicher
Gefahr beim nächsten Windstoss in sich zusammenzufallen. Und doch haben sie
eine lange Vergangenheit und viele unterschiedliche Bewohner überdauert. Sie
haben die Spuren der Zeit verinnerlicht und präsentieren diese nun in bescheidener
Zurückhaltung. Sie sind leer und dennoch voller formaler Dichte.
Diese fragile Umgebung der japanischen Innenräume hat Gabriella Disler in
einer Bodeninstallation in den Ausstellungsraum übertragen. Holzleisten und
Glasscheiben lagern übereinander und bilden kleinste Innenräume, die in unseren
Gedanken betreten werden können. Das Licht reflektiert sich in den glatten
Oberflächen und bietet uns ein in den Raum eindringendes, variantenreiches
Schattenspiel. Höchst vergänglich wirkt diese Installation. Wie die japanische
Kirschblüte Sakura, die für kurze Zeit im Frühling ihre verletzliche Schönheit
offenbart.